Samstag, 19. Juli 2014

Ramadan im Hochsommer....

Hallo ihr Lieben,

JA wir leben noch, NEIN wir sind nicht im Urlaub. Wir leben auf Sparflamme, um so wenig Energie wie nur möglich zu verbrauchen :-)

Seit 22 Tagen ist Ramadan, dass heißt, seit 22 Tagen wird bei uns gefastet, auch wenn es draußen höllisch heiß ist. Am ersten Tag waren die Zeiten von morgens 04.48 Uhr bis 22.00 Uhr, wo nichts gegessen und getrunken werden durfte. Doch da die Tage kürzer werden, haben sich die Zeiten geändert, das heißt, heute fasten wir von 05.10 Uhr bis 21.48 Uhr. Das sind knapp 17 Stunden.

Allerdings sollte man nur fasten wenn man gesund ist und keine Medikamente einnimmt, schließlich sollen die Menschen nicht krank werden, nein, ganz im Gegenteil, man soll  Solidarität mit den Armen und Hungernden üben.


Ein Nebeneffekt ist auch, dass man ruhiger und gelassener wird. Der Körper und der Geist werden in Einklang gebracht, man achtet was man tut oder nicht tun sollte.

Natürlich ist es einfacher, wenn der Ramadan in den Winter fällt (der Ramadan wandert durch die Monate und verschiebt sich jedes Jahr um 10 Tage), aber jetzt müssen wir da durch, schließlich fällt er alle 30 Jahre in die Sommermonate - Ob ich den in 30 Jahren noch einmal erlebe? Wer weiß!

Unser Alltag geht hier normal weiter, als wenn nichts wäre. Aber in knapp 1,5 Wochen haben wir Bayram (Festtage), und da nimmt mein Mann sich den ersten Tag frei und wir feiern das Ende des Ramadan, worauf wir uns jedes Jahr sehr freuen. 

Dieses Jahr ist die ganze Familie und Verwandschaft im Urlaub, und wir werden wohl alleine unsere Festtage feiern, schade eigentlich, weil Fest- und Feiertage machen erst mit der gesamten Familie sehr viel Spaß.

Nun gut, nächstes Jahr sieht alles wieder ganz anders aus, immer optimistisch bleiben....




Kommentare:

  1. Liebe Papatya,
    ich wünsche Euch einen gesegneten Ramadan und viel Kraft zum Durchhalten der letzten Tage...
    Im letzten Ramadan habe ich zwei Tage lang versucht zu fasten - meine Familie fand mich entsetzlich, ich fand es schier unerträglich. Ich bin voller Hochachtung für jeden Muslim, der/die Ramadan durchhält und voll Verständnis für alle, die es nicht schaffen.
    Möge Allah Eure Gebete und Euer Fasten annehmen.
    Liebe Grüße
    Michaela

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  2. Liebe Michaela,
    ich danke dir für deinen lieben Kommentar und wow, toll das du versucht hast zu fasten, meine Hochachtung. Ja, Ramadan im Sommer ist echt eine harte Prüfung und ich habe auch volles Verständnis wenn andere nicht fasten können. Na ja, bald ist es geschafft nur noch eine Woche und ich hoffe das Wetter kühlt sich bisschen ab, das wäre schon eine große (göttliche) Hilfe ;-)
    Ganz liebe Grüße
    Papatya

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  3. Liebe Papatya, das ist eine gute Gelegenheit, mal eine Frage zu stellen, die mich interessiert: Fastenzeiten gibt es ja von altersher in verschiedenen Religionen, in unterschiedlichen Ausprägungen, aber immer mit dem Sinn, durch den zeitweiligen Verzicht auf scheinbare Selbstverständlichkeiten (sei es Nahrung oder auch sonstige Genüsse) frei zu werden von der Sorge um das eigene Wohlergehen, frei für die Mitmenschen und für Gott. Das ist eine sehr gute Übung, die im säkularisierten Abendland lange Zeit ziemlich in Vergessenheit geraten war, aber seit längerem sowohl von katholischen als auch von evangelischen Christen (und nicht nur von diesen) ganz neu wiederentdeckt und -belebt wird. Im Islam ist die Tradition vermutlich ungebrochener. Nun meine Frage: Was mich erstaunt, ist, dass auch aufs Trinken verzichtet wird! Gerade im Sommer kann das doch richtig gefährlich werden, oder? Z.B. für (v.a. ältere) Leute, die auf dem Feld oder sonst im Freien arbeiten müssen - wie schaffen die es, ganz ohne Wasser auszukommen? Oder gibt es da Ausnahmen? Ich selber kann ohne Probleme einen oder auch mehrere Tag lang aufs Essen verzichten (habe ich auch schon gemacht), aber nichts zu trinken - das würde mir wohl recht schwer fallen...!
    Alles Gute für die restliche Fastenzeit, und danach: fröhliches Feiern! :-)
    Brigitte

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    1. Hallo Liebe Brigitte,
      es gibt Ausnahmen was das Fasten betrifft. Und zwar sollen/dürfen schwangere und stillende Mütter, Frauen während ihrer Menstruation, Reisende, Kinder, Kranke sowie ältere Leute nicht fasten. Allerdings gibt es keine Ausnahme was das trinken betrifft. Man darf nichts trinken während der Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Danach ist es wieder erlaubt zu essen und zu trinken bis der nächste Morgen beginnt. Es stimmt, es kann gefährlich werden, deshalb sollte jeder das für sich selbst entscheiden ob er gesundheitlich in der Lage ist, den ganzen Tag ohne essen und trinken auszukommen. In den muslimischen Ländern wird der Monat Ramadan anders gelebt, man ist viel nachsichtiger mit den arbeitenden Menschen und verlangt nicht das äusserste. Es ist schwieriger in einem nicht muslimischen Land zu leben und zu arbeiten und dabei zu fasten, weil das Wissen bzw. das Verständnis nicht gegeben ist. Auch hier muss jeder für sich selbst entscheiden inwieweit er es selbst verantworten kann. Von Feldarbeitern in der Türkei weiß ich, dass sie ihre Arbeiten vorverlegen, d.h. bewässern und bearbeiten der Felder wird in den Morgenstunden ausgeführt.
      In meinem Beitrag wollte ich eigentlich die Schwierigkeit im Sommer in Deutschland zu fasten andeuten. Hier im Norden sind die Tage im Sommer länger als in unseren Heimatländern. Während die Menschen in Istanbul heute um 20.40 Uhr ihr fasten brechen, ist es hier bei uns 21.42 Uhr. Mir fällt das Nichtsessen auch nicht so schwer, das Nichtstrinken ist die Prüfung.
      Alles Liebe
      Papatya

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    2. Vielen Dank für die ausführliche Antwort!
      Ich denke, ich werde es einmal ausprobieren, wie es mir geht, wenn ich einen Tag lang nichts trinke (und dann natürlich auch nichts esse).
      Ich finde, man sollte einander viel öfter Fragen stellen zu allem, was einen an einer anderen Religion oder Kultur interessiert. Das ist so spannend, und man könnte dabei außer manchen Unterschieden sicher auch viel Ähnliches entdecken. Das fängt sogar schon innerhalb einer Religion an: wir hatten an unserem alten Wohnort eine Gruppe von katholischen und evangelischen Frauen - derselbe Glaube, aber mit teils recht unterschiedlichen Traditionen und Ritualen -, und wir haben mehrere sehr anregende Abende damit verbracht, einander mal alle "dummen" Fragen zu stellen, die uns so einfielen: "Wie ist das eigentlich bei euch...?" oder "Was bedeutet eigentlich...?" Das war so lebendig und eine echte Bereicherung für alle! Man stellt auch fest, dass oft nur die äußere Form "fremd" wirkt - in der Tiefe und im Wesentlichen gibt es so viel Gemeinsames.
      Herzliche Grüße,
      Brigitte

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  4. Hallo Papatya,
    Finde ich toll, dass du fasten kannst. Ja, es wird viel von uns abverlangt. Es ist nicht nur das Hungern und der Verzicht aufs Trinken, sondern auch eine Anleitung auf Bescheidenheit, Dankbarkeit, Standhaftigkeit, Genügsamkeit und natürlich das Mitgefühl mit den Armen. Man braucht sehr viel Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen. Ich faste normale Weise auch, aber dieses Jahr kann ich leider nicht, da ich noch stille. Jaaaa, ich stille noch, bin halt eine Indianerfrau - wurde mir mal unterstellt, da die wohl sehr lange stillen.
    Tuttugun orucu, yaptigin duayi Allah kabul etsin. Ich wünsche dir eine leichte und schöne Restramadan.
    LG

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    1. Amin canım, teşekkür ederim. Es ist toll das du noch stillst und lass dir von niemandem was anderes sagen, Muttermilch ist das gesündeste was dein Schatz bekommen kann. Und natürlich
      kannst du nicht fasten, habe ich damals als ich gestillt habe auch nicht. Ich wünsche dir und deinen lieben alles Gute. Selamlar

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