Mittwoch, 10. Dezember 2014

Türkeireise im November, Teil 1

Hallo Ihr Lieben,

Es ist wieder viel Zeit vergangen, und es war sehr ruhig hier auf meinem Blog. Doch das soll sich wieder ändern. Ich bin wieder da, und habe mir vorgenommen, wieder mehr Zeit zum bloggen zu nehmen.

Wie ich schon mal erwähnt hatte, war ich im November für 2 Wochen bei meinen Eltern zu Besuch in der Türkei. Es wurde ein ganz anderer Urlaub als gewohnt, weil nur der kleine Sohn und ich waren weg, und es war mehr *Familie besuchen* als *Erholung und Urlaub*. Wir wurden von meinen Eltern sehnsüchtig erwartet, weil unsere Reise ziemlich lang und beschwerlich ist. Nach der Landung in Istanbul, mussten wir uns sehr beeilen um den Katamaran zu erwischen, der uns zu meinem Heimatstadt bringen sollte. Die Überfahrt mit dem Katamaran dauert dann nocheinmal ca. 2 Stunden.

Der kleine Sohn war schon im Flugzeug sehr nörgelig und als die Reise mit einem "Boot" weiterging, hatte er keine Lust mehr, und hat alle Register gezogen. Ich glaube, dass war vorerst die letzte Reise, die ich alleine mit ihm unternommen habe :-)

Trotz aller anfänglicher Mühe und Stress, war der Urlaub sehr sehr schön. Endlich habe ich meine Familie und Freunde besuchen können. Einige habe ich schon seit Ewigkeiten nicht gesehen gehabt. Ich habe Besuch von meinen Cousinen und Cousins bekommen, habe ihre Kinder wiedergesehen, dass waren sehr schöne Erlebnisse und Erinnerungen. Viele kannten meinen jüngeren Sohn nur von den Fotos und jetzt haben sie ihn persönlich kennen gelernt, was mir sehr wichtig war. Ich bin ein Familiernmensch und möchte, dass meine Kinder den Kontakt zu ihrer türkischen Familie behalten und pflegen.

Der November ist im Nordwesten der Türkei noch nicht so kalt wie in Deutschland. Es war die Zeit des Oliven sammelns. Meine Heimatstadt ist berühmt für seine Oliven und Olivenöl. Viele Bekannte haben in der Zeit wo ich da war, Oliven gesammelt und ihren Olivenöl pressen lassen. Ich habe soviel Oliven als Gastgeschenk bekommen, dass ich das meiste gar nicht mitbringen konnte.  Nächstes Mal sollte ich vielleicht mit dem Auto runterfahren :-)

Ich hatte vergessen, wie schön salzig das Meer riecht. Ich finde diesen Meergeruch unbezahlbar!!! Ein großes Vergnügen, den viele meiner Landsleute teilen, ist am Meer zu sitzen und einen schwarzen Tee zu trinken. Ich habe es genossen, meinen Tee zu trinken und meinem kleinen Sohn beim spielen zu zusehen. Praktischerweise hat man an der Promenade die Spielplätze gebaut, wo man sein Kind im Auge behält und trotzdem das Meer rauschen hören kann (schwärm!).





Ich habe mein Geburtshaus besucht und diesmal fotografiert. Leider wurde es vor Jahren verkauft und ist doch jedesmal ein Anziehungspunkt für mich, wenn ich da bin. Das Haus steht in der Altstadt und darf nicht abgerissen und verändert werden. Der neue Eigentümer hat es sehr schön restauriert finde ich (das Bild oben links).

Es war auch  *Aşüre* Zeit im November und deshalb haben meine Freundinnen Aşüre gekocht und wir haben es dann gemeinsam in der Nachbarschaft verteilt. Wiki erklärt genau was Aşüre bedeutet : hier klicken.



Früher, in meiner Kindheit, haben wir immer in der Nähe der Moschee in unserer Straße gespielt. Wir haben die Wasserhähne aufgedreht, dort wo die Gläubigen ihre rituelle Waschung zu sich nahmen, und der Hoca hat uns jedesmal vertrieben und laut geschimpft. Ich habe die Mosche wieder besucht, und sie kam mir soooo klein vor, gar nicht so groß und mächtig wie in meinen kindlichen Erinnerungen. Sie ist auch vor einpaar Jahren restauriert worden. Als ich diese Fotos gemacht habe, war der Hoca auch da, allerdings war es ein anderer als damals :-)

Habe ich mal erwähnt, dass ich ein Faible habe für  *Alt Türkische Holzhäuser*? Ich habe sogar, damals vor gefühlten Millionen von Jahren meine Fachprüfungen darüber geschrieben (heut' zu Tage gibt es ja keine Fachprüfungen mehr, habe ich mir von meinem Sohn sagen lassen....)

In meiner Heimatstadt gibt es noch sehr viele, alte  Holzhäuser. Typisch an diesen Häusern sind die hervorspringenden Erker, sowie die von aussen unsichtbaren Hinterhofgärten. Je nach Region wird das Erdgeschoss anders genutzt. Bei uns wurde früher im Erdgeschoss die Olivenfässer aufgestellt und gewohnt wurde in den oberen Etagen.

Diese zum Teil wunderschönen Häuser stehen unter Denkmalschutz und dürfen nicht abgerissen werden. Diejenigen, die es sich leisten könne, lassen es Originalgetreu restaurieren, wieder andere verfallen oder fallen dem  "Feuer zum Opfer". Hier einpaar Eindrücke :







Diesen Beispiel gibt es auch :

Dieses Holzhaus steht seit Jahren leer und wird auch nicht restauriert, was sehr schade ist. Es gab noch andere Ruinen die ich aber nicht aufgenommen habe.





Der eigentliche Sinn meiner Reise in die Türkei, war mit meiner Familie und mit meinen Freunden einen *mevlüd* zu lesen.


  
Das bedeutet, eine Segnug, wobei ein Hoca nach Hause kommt und im Koran einige Suren vorliest. Und meistens beginnen diese mevlüds mit der Sure *YA SIN* (meine Lieblingssure!). Mein kleiner Sohn spielte dabei die Hauptrolle, und die Segnung war auch für ihn, damit er ein langes, gesundes Leben hat.

 
Was ich an der Türkei so liebe, ist die unbürokratische Regelung für Sachen, die hier in Deutschland nie und nimmer genehmigt werden würden. So zum Beispiel das *Lokma dökmek*, das heißt *Krapfen herstellen*. 

Es gibt ein Team von *lokmacı* (Krapfenherstellern),  die mietest du für 3-4 Stunden, die kommen dann vor dein Haus, bauen ihre Equipments auf und produzieren und backen Krapfen auf der Straße. Diese Krapfen werden dann an alle Menschen die zufällig dort vorbei gehen verteilt, umsonst natürlich. 

Die Bezahlung des *lokmacı* erfolgt je nach Mehlsack. Wir haben einen großen Mehlsack für ca. 500 Personen berechnen lassen, und das hat 400 TL gekostet, also so knapp 150 €.


Wir haben an dem *mevlüd* Tag einen *lokmacı* bestellt, der vor unserem Haus die Krapfen hergestellt hat, und wir haben dann unsere Gäste nach der Koranvorlesung mit Krapfen, Oliven, Käse und Tee bewirtet.


Es wurde ein sehr erfüllender Tag für mich. Meine Cousine aus Istanbul ist gekommen, meine Freundin aus Bursa, eine andere Freundin aus Burgaz. Menschen denen ich etwas bedeute kamen und haben an unserem so bedeutungsvollen Tag teilgenommen. 

Das schöne an solchen Versammlungen ist auch das teilen mit lieben Menschen. Man teilt Freud und Leid. Diesmal war das ein mevlüd mit einem sehr schönen Anlass. Aber ich habe auch mevlüds gehabt, die einen sehr traurigen Anlass hatten, wie den Tod. Aber auch das sollte man teilen, *geteiltes Leid ist halbes Leid* sagt ein deutsches Sprichtwort!

So, das war's erstmal aus meiner Heimatstadt. Ich hoffe es hat euch gefallen. In Teil 2 werde ich aus Mega-City berichten. Ja, genau Istanbul!!!

Bis bald...





Kommentare:

  1. Danke für deinen Bericht! Das war sehr schön und interessant. Die Holzhäuser kenne auch ich noch aus meiner Geburtsstadt - und auch aus Istanbul. Als ich deine Bilder gesehen habe, da bin ich ganz sehnsüchtig geworden. Es ist so schade, daß meine türkische Familie so weit weg lebt. Sie fehlen sehr. Liebe Grüße.

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  2. Du hast recht, sie sind einfach zu weit weg, auch wenn man mit dem Flugzeug schnell da ist. Je älter ich werde, desto mehr zieht es mich zu meinen Wurzeln. Aber Fakt ist, dass wir hier leben und unseren Lebensmittelpunkt hier haben. Allerdings habe ich mir vorgenommen, öfters runter zu fliegen, zumindest bis der Kleine in die Schule kommt.
    Liebe Grüße und nicht traurig sein....

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  3. So viele Infos, so schöne Bilder. Ich kriege Lust auf die Türkei....und die leckereren Krapfen erst, ich esse die so gerne. Der kleine Mann ist ja richtig groß geworden. Respekt, dass du mit ihm gereist bist, ich könnte das gar nicht, wäre mir zu stressig.Im Gegensatz zu mir, hast du noch richtig viele Verwandte in der Türkei und das ihr noch Kontakt habt ist toll. Ich freue mich auf das Bericht über die schönste, hektischste Stadt der Welt. LG, N.

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    1. Hallo Lale,
      so groß ist meine Verwandschaft leider doch nicht, auf den Bildern sind auch Freunde aus der Nachbarschaft. Wie die meisten Familien, leben auch wir total zerstreut in der Türkei und nur zu besonderen Anlässen kommen wir zusammen. Leider sind schon viele ältere Tanten von mir verstorben und mit einigen Cousinen habe ich gar keinen Kontakt mehr. Aber ist nicht schlimm, ich habe zum Teil Freundschaften, sie sind besser als Familienbanden.
      Und dem kleinen Sohn ging es in der Türkei wie im Paradies, er wurde von seinen Großeltern sehr verwöhnt, jetzt langsam kommt er wieder in seinen Alltag rein.
      Liebe Grüße

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  4. Danke für diese schöne Reise zurück in Deine Heimat.
    Die zwei Wochen waren bestimmt voll mir Eindrücken und Erlebnissen.
    Aber es muss toll sein, alte Freunde wieder zu treffen.
    Bin schon gespannt auf die Istanbul Bilder.
    Dir einen schönen Abend, ganz liebe Grüße
    Nicole

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    1. Hallo Liebe Nicole,
      so im nachhinein finde ich war es eines meiner schönsten Urlaube an die ich sehr lange zurück denken werde. Nicht nur meine Freunde zu sehen war toll, auch die Gespräche und die gemeinsamen Erinnerungen. Ich werde das öfter machen habe ich beschlossen.
      Liebe Grüße

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  5. Das Haus, in dem man aufgewachsen ist...... mich zieht es auch immer wieder dorthin und ich begegne ihm jedesmal mit sehr großen Gefühlen...

    Habe deinen Beitrag so gerne gelesen, danke Papatya.

    Diese Lokma Geschichte hatten wir im letzten Urlaub auch erlebt, hat mich jetzt daran erinnert. Meine Eltern haben dieses "Hayir" und "Mevlüt" jedesmal selbst organisiert und viel geschuftet. Jetzt haben sie von Leuten gehört, die das für sie übernehmen und hatten sie engagiert..es war echt eine Wohltat für sie. In dem Alter wäre es so stressig gewesen für sie und diese beiden Männer haben, wie auch Du schon beschriebst, an der Straße vor dem Haus alles aufgestellt, gebacken und verteilt, echt super praktisch gewesen, sie waren sehr froh darüber.

    Allah kabul etsin!

    Und ich freue mich sehr auf Deinen Istanbul-Bericht. War schon lange nicht mehr da und vermisse diese Stadt sehr.

    Lieben Gruß
    Ayse

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    1. Hallo Ayşe, also ich hab noch nie so easy Gäste bewirtet wie an dem Tag.
      Die Lokmas wurden frisch hoch gebracht und wir haben sie serviert - das wars. Gut das deine Mutter auch die Lokmacıs geholt hat, erleichtert einem doch das Leben. Ich habe leider keine guten Fotos in Istanbul machen können, das Wetter war grottenschlecht - aber darüber berichte ich noch demnächst. Bis bald. Selamlar.

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