Dienstag, 30. Juni 2015

Türkei Rundreise Teil 4



Dieser Teil unserer Reise war der emotionalster und der den ich mir schon seit Jahren gewünscht habe.

Ich habe meine Teyze (Tante), (sie ist die jüngere Schwester von meiner Mutter) und ihre beiden  Kinder seit über 10 Jahren nicht mehr gesehen. Natürlich bekomme ich die Neuigkeiten über sie durch meine Mutter mit, aber es gab in den letzten 10 Jahren soviele traurige Ereignisse, wie den Tod von meinem Onkel, dann Eliras Tod, wo man sich gerne unterstützt hätte.

Es ist sehr schön seine Verwandten wieder zu sehen. Man nimmt sich einfach in den Arm und redet miteinander, als wenn man sich erst gestern gesehen hätte. Meine Teyze geht mittlerweile auf Krücken und wohnt alleine in ihrem Haus. Doch gleich neben ihrem, ist das Haus ihres Sohnes. Auf dem riesigen Grundstück stehen außer den 2 Häusern, eine Wassermühle ein Stall mit 4 Rindern, 40 Schafe,  2 Hund,  etliche Katzen und ungezählte Mäuse - ein typisches Bauernhaus eben.

Mein Cousin Fadil bewirtschaftet mit seiner Frau Meryem, außer den Tieren die Wassermühle. Er ist der einzige in dem Ort mit einer Mühle, und hat deshalb viele Aufträge von den Dörflern drumherum.

Meine Cousine Hatice wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen einpaar Straßen weiter, jedoch war sie an unserem Ankunftstag auch da mit ihrer Familie.

Meinen kleinen Sohn kannten sie noch nicht, sie kannten ihn nur durch die Erzählungen von meiner Mutter. Eine ganz liebe Geste von ihnen war, als wir ankamen, meinem Sohn einen Geschenk zu überreichen. Das hat mich zu Tränen gerührt, weil sie sich so sehr auf uns gefreut haben und wollten meinem Sohn eine Freude machen.

Beim Abendessen, gab es nur selbst geerntetes Gemüse, gebackenes Brot und alles was sie selber herstellen. Es war wie auf einem Biobauernhof. Sowas kennen wir nicht mehr und umsomehr hat es uns geschmeckt.

Nachdem die Männer und Kinder eingeschlafen waren, saßen wir Frauen noch stundenlang zusammen und haben fast die ganze Nacht durch geplaudert. Schließlich mussten wir uns auf den neusten Stand bringen, was die Kinder, Schule und Beruf anbelangt.

Auch hier gibt es das Problem, dass die Kinder wegziehen und das Haus und Hof nicht übernehmen wollen, weil das Landleben sehr hart und schwer ist.

Mein Cousin Fadil hat zwei Söhne, der ältere studiert in Ankara und möchte nach seinem Studium dort bleiben und arbeiten. Der jüngere Sohn hatte gerade an den Universitätsaufnahmeprüfungen teilgenommen, und war guter Dinge. Er liebt Tiere und möchte Veterinär werden und im Ort bleiben. Aber so ein Leben wie sein Vater kann er sich nicht vorstellen, er möchte den Tieren helfen, aber Tiere zu halten ist ihm zu schwer.

Meine Cousine hat auch zwei Söhne. Der ältere Sohn gilt als Hochbegabt und geht in Usak auf das Internat, er möchte später Informatiker werden. Der jüngere Sohn ist noch 10 Jahre alt, und weiß noch nicht, was er werden möchte :) er hat sich die ganze Zeit um meinen Sohn gekümmert.

Ich musste viel von uns erzählen, dass mein älterer Sohn jetzt auch nicht mehr bei uns wohnt und das er studiert und auch eine Freundin hat. Wie unser leben sich mit dem kleinen Sohn verändert hat und wie unser Alltag jetzt aussieht. Alles Dinge die sie sehr interessieren.

Doch was ich an solchen Familientreffs so liebe, sind die gemeinsamen Anektoden, Geschichten und Erlebnisse, die man sich noch nach Jahren erzählt. Sowie die Geschichte mit meiner Oma, die damals mit 40 Jahren ihren letzen Kind bekommen hat und wie spät es damals war, und wie die Leute darüber gelästert haben. Und jetzt haben wir festgestellt, dass ich diesen Rekort gebrochen habe. (Um wieviel Jahre sag' ich nicht :)))) Das Gelächter war groß!!!

Damals in meiner Kindheit haben wir immer 6 Wochen Urlaub gemacht, und mindestens 1 Woche davon haben wir hier im Dorf verbracht. Wir haben hier noch andere Verwandete und weil sie alle Kinder in unserem Alter hatten, wollten wir jedes Jahr in den Sommerferien hierher, weil es so toll war mit den ganzen Cousinen und Cousins zusammen zu sein. Hier ein Foto von damals :

Hier fehlt nur noch eine Cousine, dann ist die Gang komplett

Hier am ersten Bayramtag, wir alles schön rausgeputzt.

Schön war's, damals und heute. Bis auf die Kinder meiner Tante Fadil und Hatice, leben alle verstreut in der Türkei, jedoch durch Facebook habe ich den Kontakt zu den meisten wieder gefunden.

Zurück zu uns.

Nach einem kurzen Schlaf, wurden wir am frühen morgen mit dem krähen des Nachbar Hahnes geweckt. Das waren aber nicht die einzigen ungewohnten Geräusche. Auch die vorbeifahrenden Traktoren und Motorroller waren neu für unsere Ohren. Danach war an einen weiterschlaf gar nicht mehr zu denken.



Die Hausherren waren schon alle wach, hatten die Tiere versorgt und warteten mit dem Frühstück auf uns. So eine frische und leckere Milch habe ich seit Jahren nicht mehr getrunken. Schade das der kleine Sohn nichts essen und trinken wollte. Er war zu sehr aufgeregt, durch die neue Umgebung und die vielen Tiere die er hier zu sehen bekam.



Und einen neuen Freund hat er auch sofort gefunden, den kleinen Nachbarsjungen Ahmet. Ich weiß nicht in welcher Sprache sie sich unterhalten haben, weil mein Kleiner spricht nicht so gut türkisch, er versteht nur gut. Aber in dem Alter ist sprechen wohl nicht wichtig, man spricht mit den Händen und Füßen.



Hier nimmt man die Verkehrsregeln nicht ganz so erst wie in Deutschland. Mein Cousin Fadil hat den kleinen Sohn einfach hochgehievt und ihn mit zu einer kleinen Spritztour mit dem Motorroller mitgenommen. Mein armer Mann stand nur da, und wußte nicht genau was er tun sollte. Aber keine Sorge, die Straße ist nicht viel befahren und nach zwei Runden waren sie auch wieder zurück.


Das war noch nicht alles. Der Kleine durfte auch auf den Traktor rauf und das Steuer halten, man war er Stolz. Kein Wunder das er hier nicht mehr weg wollte, schließlich durfte er hier mit Sachen spielen, die er nur von seinen Büchern kannte. Er fühlte sich so wohl, wie wir uns damals hier gefühlt haben und nicht mehr weg wollten - alles wiederholt sich im Leben irgendwie.

So schön alles auch ist, wir mussten weiter. Es war sehr schön alle wieder gesehen zu haben, ganz besonders meine Teyze/Tante, wer weiß ob und wann wir uns wieder sehen werden. Das ist das traurige daran, dass man so weit weg wohnt, und sich alle Jubeljahre wiedersieht. Weil die gesamte Familie kommt zu Großereignissen wie Hochzeit oder Beschneidungsfeieren zusammen, nur wir, aus Deutschland fehlen immer. Und je älter ich werde, desto mehr macht mir dieser Umstand etwas aus.

Ich habe schon seit geraumer Zeit mit vorgenommen, meine Eltern und meine türkische Familie öfter zu sehen. Letztes Jahr habe ich es auch verwirklicht und bin im November in die Türkei geflogen um sie zu sehen. Das werde ich in diesem Jahr auch wieder tun - so Gott will. Wer weiß wieviel Zeit uns noch bleibt.

Unsere Reise endete wieder an unserem Anfangspunkt - bei meinen Eltern. Dort wurden wir wieder voller Liebe erwartet. Meine Eltern wollten ganz genau wissen, wo wir waren und wen wir gesehen haben. So ist es wohl, wenn man älter wird. Man erfreut sich an den Kinden, an den Enkel, was sie zu berichten haben, oder was sie erlebt haben. Das ist für sie eine Bereicherung.

Wir haben noch gemeinsam einen Ausflug nach Uludag gemacht und dann hieß es auch schon wieder *allaha ısmarladık!*/ Aufwiedersehen.

Schön war es wieder nach Hause zu kommen, dort wo man geliebt und erwartet wird. Meine erste Heimat ist definitiv dort wo ich geboren bin. Es ist eine alte Liebe, wo ich meine Kindheit habe und auch meine Erinnerungen.

Auf diesere Reise habe ich viele Menschen und viele Orte gesehen, die mir etwas bedeuten und habe versucht mir und auch den anderen Lesern deutlich zu machen, was sich so in den letzten 40 Jahren  alles verändert hat. Nicht nur das Land hat sich verändert, sondern auch ich und meine Umgebung.

Zum ersten mal, nach so vielen Jahren, habe ich wieder die Kosenamen von mir gehört : *sari papatya* (gelbe Gänseblume) und *sari kizim*(mein blondes Mädchen).

Das war eine Reise in meine Vergangenheit, in meine Kindheit - und es hat mir sehr gefallen.

Alles Gute


Kommentare:

  1. Danke auch für diesen Bericht! So viele Empfindungen hast du ausgedrückt, die auch die meinen sind. Ja, es gibt die üblichen Feiertage, Familienfeste, wo alle zusammen kommen - nur die aus Deutschland fehlen. Dann beneide ich meine dortige Familie so sehr darum, daß sie sich haben, so vieles miteinander teilen können. Ach ja...

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    1. Ach ja... so ist es mit Almanya. Fluch und Segen zugleich. Bald ist Bayram und wir sind hier...schnief :'(

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  2. Sooo schön, Dein Bericht! Jetzt kann ich's gar nicht mehr abwarten, am Sonntag loszufahren...:)


    Ja, das mit dem Bayram... ist meist immer melancholisch. ich war z.B. die letzten beiden Jahre an Bayram in der Türkei, aber dennoch konnte ich während den Bayramtagen nicht bei meinen Eltern sein, weil der Weg zu ihnen halt auch dort zu weit weg ist und wir natürlich an erster Stelle bei meinen Schwiegereltern sein "mussten". Echt schade immer...

    Ganz liebe Grüße
    Ayse

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    1. Letztes Jahr war bei uns Bayram so deprimierend, weil unsere ganze Familie (mein Bruder und die Brüder von meinem Mann) weg waren, nur wir waren alleine hier. Das war soooo furchtbar, deshalb bin ich froh, dass in diesem Jahr alle am ersten Bayramtag noch hier sind und am zweiten losfahren.
      Schönen und erholsamen Urlaub wünsche ich dir liebe Ayse, selamlar.

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  3. Es war schön, dass Du diese emotionalen Momente mit uns geteilt hast, liebe Papatya.
    Ich kann verstehen, dass es oft weh tut, so von seiner Familie getrennt zu sein und wünsche Euch von Herzen, dass Ihr noch viel Zeit haben wird.

    Liebe Grüße
    Sonja

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    1. Ich danke dir liebe Sonja für deine aufmunternde Worte und wünsche dir ei wunderschönes Wochenende.

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