Montag, 14. Dezember 2015

Türkei, meine schöne Heimat...


Ich bin wieder zurück aus meiner schönen Heimat, mit noch ganz vielen verschiedenen Gerüchen in der Nase und schönen Eindrücken.

Die Heimat ist nicht nur dort wo man lebt und seinen Lebensmittelpunkt hat, Heimat ist auch die Stadt, das Haus, die Straßen, das Vergangene, das Erlebte,  die Menschen denen man etwas bedeutet, das Land, was mein Herz berührt.


Ich empfinde immer ein tiefes Glücksgefühl, wenn ich aus dem Flugzeug steige, und um mich herum nur türkisch gesprochen wird, oder die Leuchtreklamen türkisch sind. Das die Simitverkäufer weiterhin ihre Ware auf den Köpfen balancieren. Dann die Massen an Menschen, an denen man sich durchzwängen muss um voran zukommen. Der Taxifahrer, der gleich losrast, als wäre er ein Formel Eins Fahrer, und ständig hupt, obwohl es nichts zu hupen gibt. Die Straßen sind ein Chaos, es gibt einfach zuviele Autos! Das ständig im Stau stecken bleiben, daran muss man sich erst einmal gewöhnen.


Dass sind meistens Begebenheiten, die die Touristen abschrecken. Mich aber nicht, ich genieße es....
komme ich doch aus einer deutschen Großstadt, mit einem vorbildlich geordneten Straßenverkehr. Ich liebe beides.

Heimat ist auch da, wo man geboren , aber nicht aufgewachsen ist.
Heimat sind die Eltern, die nicht mehr in Deutschland leben, die man aber öfter sehen möchte.
Heimat ist das Essen, was man hier nicht bekommt.
Heimat ist Balsam für die Seele eines Menschen



Wir, die Kinder der ehemaligen Gastarbeiter, die zweite Generation, werden immer zwei Heimate (wie ist die Mehrzahl von Heimat???) in unseren Herzen haben. Einmal das Geburtsland, das andere wo man aufgewachsen ist.

Ich habe eine alte Freundin wieder getroffen, auch ein ehemaliges Gastarbeiterkind der 2. Generation, die mit 15 Jahren wieder in die Türkei zurück gekehrt ist, weil die Eltern, Mitte der 80'er Jahre für immer zurück gekehrt sind. Diese Freundin ist heute Dozentin der Deutschen Sprache, Grammatik und Kultur an einer renommierten Universität in der Türkei. Sie hat nur positive Erinnerungen an ihre Heimat, Deutschland, ihrem Geburtsland, wo sie zu Welt kam.

Ich habe während meines zweiwöchigen Aufenthalts in der Türkei, mich viel mit meiner Familie und unserer Vergangenheit beschäftigt. Habe viele Fotoalben durchwühlt.  Die Gespäche mit meinen Eltern waren sehr berührend. Mein Vater hat seine Beweggründe erzählt, warum er damals nach Deutschland gegangen ist, obwohl er eine Arbeit in der Türkei hatte. Es sind Geschichten, die jeder Mensch mit sich trägt. Auch Jahre nach seiner Rückkehr in die Türkei, bewegt es ihn zu erzählen, wie er bei dem Auswahlverfahren gezittert hat, weil er Angst hatte, einen Fehler zu begehen und nicht zu den Auserwählten zu gehören. Oder wie Glücklich er war, als er seinen Bescheid bekam, dass er nach Deutschland Einreisen durfte. Damals wusste er noch nicht, dass er für die nächsten 31 Jahre in einem Land leben würde, dass seine zweite Heimat werden würde.


Die Anfangsschwierigkeiten die sie hier hatten, haben sie sehr lange verdrängt und erzählen jetzt, Jahre später, mit einem lächelnden und einem weinenden Auge. Zum Beispiel die Geschichte, wie meine Mutter, meinen kranken Bruder zur Schule brachte obwohl er Röteln hatte. Da sie nicht wusste, wie sie ihn abmelden musste, hat sie das kranke Kind in die Schule begleitet. Als die Lehrerin in den Klassenraum kam, hat sie einfach den Pulli von meinem Bruder hochgezogen um der Lehrerin zu zeigen, was Sache war. Die Lehrerin, eine sehr gütige liebevolle Frau, hat sie nach Haus geschickt und gesagt, er soll wiederkommen, wenn er gesund ist. Verstanden haben sie sich, obwohl meine Mutter keinen Wort deutsch sprach. Das hat sich nachher natürlich geändert.
 
Ich liebe diese Geschichten aus unseren Anfängen hier in Deutschland. Zum Glück sind unsere Geschichten nicht so dramatisch und gefährlich, wie wir es jetzt von den Syrern hören - aber es sind Schicksale die uns verbinden, nämlich mit Deutschland - unserer Heimat.

In dem Sinne....



Kommentare:

  1. Du Liebe, ja so, wie du es beschreibst, so empfinde auch ich größtenteils. Wenn ich in der Türkei ankomme, ist das tiefe Gefühl der Zugehörigkeit sofort da: die Verbundenheit zur ausdrucksstarken Sprache, der melodische Singsang, die Menschen, die Gepflogenheiten, Gerüche, Geräusche, die Gegenden mit der sehr abwechslungsreichen Natur... Wieder in Deutschland genieße ich als erstes die kühlere Luft, die heilige Ordnung, eine klare Sprache... Ja, wir haben zwei Heimaten, die schwer voneinander dividierbar sind. Das eine gehört genau so dazu, wie auch das andere. Genieße diese kostbaren Gespräche mit deinen Eltern. In meinem Fall ist das nicht mehr möglich, was ich auf das Schmerzlichste vermisse. Ich danke dir, für diesen sehr berührenden Post. Herzliche Grüße zu dir.

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    1. Hallo Pünktchen, ich weiß, dass du das auch so fühlst und vermists. Ich bin auch wieder gerne hier, in meinem Heim, mit meinen Freunden und alles drum herum. Aber ich bin jedesmal sehr erstaunt, wie die Türkei sich verändert. Wusstest du, dass es jetzt auch in der TR Weihnachtsbäume und Weihnachtsschmuck und Deko verkauft wird. Unsere Landsmänner feiern Silvester mit Weihnachtsbaum! Ich glaube ich hole mir dieses Jahr auch einen künstlichen Weihnachtsbaum ins Haus :)
      Liebe Grüße B.

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  2. Liebe Papatya, und auch du, Pünktchen,
    ich dachte eben beim Lesen: was für ein großer Schatz, diese zwei Heimaten zu haben, dieses doppelte Daheimsein und Zugehörigkeitsgefühl! Ganz zu schweigen von der beneidenswerten Fähigkeit, zwei Sprachen mühelos und auf Muttersprachniveau zu beherrschen. Ich weiß, dass dieser Schatz auch seinen Preis hatte und hat, und ich finde es wunderbar, dass ihr ihn - ja, was tut man mit einem Schatz? - so positiv wertschätzen könnt!
    Gebt euren Kindern davon so viel wie möglich mit, es wird ihr Leben ungemein bereichern.
    Liebe Grüße von Brigitte (die selbst nur eine Heimat hat, aber dankbar an der ihren Mannes partizipiert)

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    1. Hallo Brigitte, schön wieder von dir zu hören/lesen. Es stimmt, dass es ein Schatz ist, mit zwei verschiedenen Kulturen/Sprachen aufzuwachsen aber es gibt auch viel trauriges, was ich bis jetzt nie so wahr genommen habe. Zum Beispiel, war ich nie bei wichtigen Ereignissen von meiner Verwandschaft dabei, wie Verlobungen oder Hochzeiten. Für meine Kinder versuche ich auch die türkische Kultur nahe zu bringen indem wie oft hinreisen, aber die Sprache ist für sie extrem schwer. Der Kleine sagt von sich er ist deutscher und möchte türksich nicht lernen! (punkt!)Aber die türkische Küche schätzen die Kinder sehr. Wenigstens etwas!.
      Liebe Grüße zu dir, und ich freue mich, wieder mehr von dir zu lesen.

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